Kapitel 01
Überblick: Welche Gesetze regeln die Umlagen?
Das deutsche Umlagesystem für s-, Mutterschafts- und Insolvenzgeldleistungen verteilt sich auf mehrere Rechtsgrundlagen. U1 (Krankheitsumlage) und U2 (Mutterschaftsumlage) sind im Aufwendungsausgleichsgesetz (AAG) geregelt; die Pflicht des Arbeitgebers zur Lohnfortzahlung selbst ergibt sich aus dem Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG); Mutterschutzlohn und Zuschuss zum Mutterschaftsgeld sind im Mutterschutzgesetz (MuSchG) verankert. Die Berechnungsgrundlagen (Beitragsbemessungsgrenze, Beitragspflicht) stehen im Sozialgesetzbuch IV (SGB IV).
Die U3-Umlage (Insolvenzgeld-Umlage) ist davon strikt getrennt: Sie beruht auf den §§ 358 bis 363 des Sozialgesetzbuches III (SGB III) und wird nicht von den Krankenkassen, sondern über die Bundesagentur für Arbeit administriert.
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Kapitel 02
AAG — Aufwendungsausgleichsgesetz (U1 und U2)
Volltext: Aufwendungsausgleichsgesetz (AAG) auf gesetze-im-internet.de
Das AAG bildet die Grundlage für das Umlageverfahren U1 (Erstattung von Lohnfortzahlung im Krankheitsfall) und U2 (Erstattung von Mutterschaftsleistungen). Es regelt die teilnehmenden Arbeitgeber, das Erstattungsverfahren, die Mittelaufbringung und die Verwaltung durch die Krankenkassen.
Kapitel 03
EntgFG — Entgeltfortzahlungsgesetz
Volltext: Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG) auf gesetze-im-internet.de
Das EntgFG regelt die materielle Pflicht des Arbeitgebers, Arbeitnehmern bei unverschuldeter Arbeitsunfähigkeit das Entgelt für bis zu sechs Wochen weiterzuzahlen, sowie die Vergütung an gesetzlichen Feiertagen. Die Umlage U1 erstattet einen Teil dieser Aufwendungen.
Kapitel 04
MuSchG — Mutterschutzgesetz (Grundlage für U2)
Volltext: Mutterschutzgesetz (MuSchG) auf gesetze-im-internet.de
Das MuSchG regelt Schutzfristen, Beschäftigungsverbote, Mutterschutzlohn und den Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld. Die wirtschaftliche Belastung des Arbeitgebers wird durch die U2-Umlage zu 100 % erstattet.
Kapitel 05
SGB IV — Beitragsbemessung und Beitragspflicht
Volltext: Sozialgesetzbuch IV (SGB IV) auf gesetze-im-internet.de
Das SGB IV definiert das beitragspflichtige Arbeitsentgelt — die Bemessungsgrundlage, auf die alle Umlagen U1, U2 und U3 erhoben werden — und enthält die Bestimmungen zur Beitragsbemessungsgrenze (BBG).
Wichtig für 2026: Die Beitragsbemessungsgrenze ist seit 1. Januar 2025 in der allgemeinen Rentenversicherung bundeseinheitlich. Die historische Aufteilung in West und Ost entfällt seitdem; ältere Quellen, die noch zwischen West-BBG und Ost-BBG unterscheiden, sind insoweit nicht mehr anzuwenden. Für 2026 beträgt die BBG der allgemeinen Rentenversicherung 8.450 € im Monat bzw. 101.400 € im Jahr.
Kapitel 06
SGB III §§ 358–363 — Insolvenzgeld-Umlage (U3)
Volltext: Sozialgesetzbuch III (SGB III) auf gesetze-im-internet.de
Die Insolvenzgeld-Umlage U3 ist nicht im AAG geregelt, sondern in den §§ 358 bis 363 SGB III. Träger des Verfahrens ist die Bundesagentur für Arbeit; die Krankenkassen ziehen die Umlage lediglich gemeinsam mit den übrigen Sozialversicherungsbeiträgen ein und leiten sie weiter.
Im Unterschied zu U1 und U2 hat die U3-Umlage keine Tarifstufen — der Satz ist bundeseinheitlich, gilt für alle Arbeitgeber unabhängig von der Mitarbeiterzahl und ist nicht durch Wahl der Kasse oder eines Tarifs optimierbar. Eine ausführliche Einordnung finden Sie im Ratgeber zur U3-Umlage.
Kapitel 07
Hinweis: Beitragsbemessungsgrenze ist seit 2025 bundeseinheitlich
Bis einschließlich 2024 unterschied die Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung in der allgemeinen Rentenversicherung (und damit auch für die Bemessung der Umlagen) zwischen einer West-BBG und einer Ost-BBG. Seit dem 1. Januar 2025 gilt eine bundeseinheitliche Beitragsbemessungsgrenze. Für 2026 liegt sie in der allgemeinen Rentenversicherung bei 8.450 € pro Monat (101.400 € pro Jahr).
Dies ist für die Praxis besonders relevant, weil zahlreiche externe Quellen, alte Merkblätter und PDF-Vordrucke noch die historische Aufteilung West/Ost ausweisen. Für Lohnabrechnungen ab Januar 2025 ist die einheitliche BBG anzuwenden; eine Differenzierung nach Bundesland entfällt.
Da die Umlagen U1, U2 und U3 jeweils auf das beitragspflichtige Arbeitsentgelt im Sinne des SGB IV erhoben werden, wirkt die einheitliche BBG mittelbar auch auf die maximale Bemessungsgrundlage je Beschäftigtem.
Kapitel 08
U1-Umlagesätze 2022–2026: Mehrjährige Übersicht der Top-Krankenkassen
Die folgende Tabelle dokumentiert die Entwicklung der sätze ausgewählter großer Krankenkassen über fünf Jahre (2022 bis 2026), jeweils für die höchste angebotene Erstattungsstufe. Die Werte stammen aus den zum 1. Januar des jeweiligen Jahres gültigen Satzungen. Sie machen die seit 2022 sichtbare Tendenz steigender U1-Sätze in Folge wachsender Krankheits- und Lohnfortzahlungskosten transparent.
Hinweise zur Lesart der Tabelle: Die Spalte „Stufe“ benennt die zugrunde gelegte Erstattungsquote (z. B. 80 % der Lohnfortzahlung). Kassen, die keinen 80 %-Tarif anbieten (z. B. IKK classic mit Maximalstufe 65 %), werden mit ihrer höchsten verfügbaren Stufe ausgewiesen. Die U2-Umlage (Mutterschaftsausgleich) ist davon nicht betroffen — sie deckt 100 % der Aufwendungen ab; nur der selbst variiert kassenseitig.
Die jeweiligen Detailseiten enthalten zusätzlich die niedrigeren Tarifstufen (50 %/60 %/70 %) sowie U2-Sätze; eine kassenübergreifende Übersicht der Sätze aller Kassen finden Sie im Krankenkassen-Vergleich.
| Krankenkasse | Stufe | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | 2026 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Techniker Krankenkasse (TK) | 80 % | 2,00 % | 2,50 % | 2,90 % | 3,20 % | 3,20 % |
| BARMER | 80 % | 3,30 % | 3,70 % | 4,00 % | 4,00 % | 4,00 % |
| AOK Bayern | 80 % | 2,60 % | 3,00 % | 3,30 % | 3,70 % | 3,70 % |
| DAK-Gesundheit | 80 % | 3,20 % | 3,60 % | 3,90 % | 3,90 % | 3,90 % |
| IKK classic | 65 % | 2,70 % | 2,90 % | 3,10 % | 3,10 % | 3,10 % |
| KKH Kaufmännische Krankenkasse | 80 % | 3,00 % | 3,40 % | 3,60 % | 3,80 % | 3,80 % |
| hkk Handelskrankenkasse | 80 % | 2,00 % | 2,30 % | 2,50 % | 2,70 % | 2,70 % |
Quelle: Satzungen der jeweiligen Krankenkassen, Stand 1. Januar des Jahres. Die Werte beziehen sich auf die jeweils höchste angebotene Erstattungsstufe (in der Spalte „Stufe“ ausgewiesen). Verbindlich ist immer die aktuelle Fassung der Satzung. Datenstand: Mai 2026.
Kapitel 09
Hinweise für Steuerberater, Lohnbüros und HR-Verantwortliche
Für die laufende Lohnabrechnung sind folgende Punkte besonders relevant: Die Pflicht zur U1 hängt von der Mitarbeiterzahl im Sinne des § 3 AAG ab — nicht von der Anzahl der Beschäftigten im arbeitsrechtlichen Sinn. Teilzeitbeschäftigte werden nach Wochenarbeitszeit gewichtet (0,25/0,5/0,75/1,0). Zur Detailfrage, wie die 30-Mitarbeiter-Grenze festgestellt wird und welche Sonderfälle bestehen, finden Sie eine Edge-Case-Sammlung im FAQ zum Feststellungsverfahren U1.
Für die Wahl der Erstattungsstufe (U1-Tarifstufe) ist die Satzung der Krankenkasse maßgebend. Die wirkt regelmäßig zum Beginn eines es und ist bis zum jeweiligen Stichtag der Krankenkasse einzureichen. Eine systematische Übersicht über die Wahlmöglichkeiten findet sich im Ratgeber 'U1-Tarifstufe wechseln'.
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