Kapitel 01
Warum unterscheiden sich die Umlagesätze?
Jede Krankenkasse kalkuliert ihre U1-Umlagesätze eigenständig auf Basis ihres Versichertenkollektivs, der historischen Erstattungsquoten und der Verwaltungskosten. Da diese Faktoren sich je Kasse unterscheiden, variieren auch die Sätze erheblich.
Kassen mit vielen jungen, gesunden Mitgliedern und niedrigem können niedrigere Sätze kalkulieren. Kassen mit älterem oder krankheitsanfälligerem Versichertenkollektiv müssen höhere Sätze erheben.
Für Arbeitgeber ist der der Krankenkasse ihrer Mitarbeitenden ein wichtiger Kostenfaktor — auch wenn er nicht direkt beeinflussbar ist. Die Tarifstufe hingegen ist vollständig in der Hand des Arbeitgebers.
Kapitel 02
Aktuelle Sätze der größten Krankenkassen (2026)
Günstigste Kassen beim 70%-Tarif: BKK firmus 1,78 %, BKK ProVita 1,82 %, Salus BKK 1,85 %, BKK 24 1,85 %, mhplus BKK 1,88 %.
Mittleres Segment: TK 2,10 %, AOK PLUS 2,10 %, BKK Mobil Oil 2,10 %, hkk 1,95 %, pronova BKK 1,95 %, actimonda BKK 1,95 %.
Höheres Segment: BARMER 2,40 %, IKK classic 2,30 %, KKH 2,25 %, IKK Südwest 2,20 %, DAK 2,50 %, KNAPPSCHAFT 2,55 %.
Kapitel 03
Was bedeuten die Unterschiede für Arbeitgeber?
Bei einem Mitarbeiter mit 3.500 € Brutto macht der Unterschied zwischen BKK firmus (1,78 %) und KNAPPSCHAFT (2,55 %) beim 70 %-Tarif ca. 323 €/Jahr. Bei 10 solchen Mitarbeitenden sind das 3.230 €/Jahr.
Diese Unterschiede sind jedoch nur relevant, wenn Mitarbeitende theoretisch die Kasse wechseln könnten oder würden. Für den aktuellen Personalbestand ist die Tarifstufenwahl der unmittelbarere Hebel.
Beim Vergleich von Tarifstufen innerhalb einer Kasse gilt: Die Entscheidung, ob der 70 %- oder 80 %-Tarif günstiger ist, hängt ausschließlich vom Krankenstand ab — nicht von der absoluten Höhe des Beitragssatzes.
Kapitel 04
Rechenbeispiel: Zwei Kassen im direkten Vergleich
Betrieb mit 8 Mitarbeitenden, Durchschnittsgehalt 3.200 € Brutto, Krankenstand 10 Tage/MA/Jahr. Szenario A: Alle bei TK (70%-Tarif: 2,10 %). Jahresbeitrag: 8 × 3.200 × 2,10 % × 12 = 6.451 €. Jahreserstattung bei 70 %: ca. 4.736 €. Nettokosten: 1.715 €.
Szenario B: Alle bei BKK firmus (70%-Tarif: 1,78 %). Jahresbeitrag: 8 × 3.200 × 1,78 % × 12 = 5.468 €. Jahreserstattung bei 70 %: ca. 4.736 €. Nettokosten: 732 €. Differenz: 983 €/Jahr zugunsten BKK firmus.
Das Beispiel zeigt: Bei identischem Erstattungsanspruch zahlt der Betrieb bei der günstigeren Kasse deutlich weniger. In der Praxis sind die Erstattungsquoten identisch — nur die Beiträge unterscheiden sich. Die Kasse wählen allerdings die Beschäftigten selbst; der Arbeitgeber wählt bei Kassen mit Wahlmöglichkeit den passenden Satz.
Kapitel 05
Tarifstufenwahl und Satzvergleich: Was hat Priorität?
Für die meisten Betriebe ist die Tarifstufenwahl der unmittelbarere Hebel: Während die Kassenzugehörigkeit der Mitarbeitenden kaum beeinflusst werden kann, liegt die Tarifwahl vollständig beim Arbeitgeber. Ein Tarifwechsel ist jährlich möglich — und wirkt ab dem 1. Januar des Folgejahres.
Der Satzvergleich zwischen Kassen ist dennoch wertvoll: Bei Neueinstellungen gibt die Kassenzugehörigkeit des Bewerbers eine Information über die künftigen U1-Kosten. Bei gleichwertigen Kandidaten kann das als Hinweis dienen — ohne freilich zur Auswahlgrundlage zu werden.
Die optimale Strategie verbindet beides: Tarifstufen jährlich prüfen und anpassen (wirksam zum 1. Januar), und bei Neueinstellungen Kassensätze im Blick behalten (langfristig). Unser Tool unterstützt Sie bei beiden Schritten.
