Ratgeber: Sonderfälle · 6 Min. Lesezeit

Lohnfortzahlung bei Reha- und Vorsorgemaßnahmen: Was Arbeitgeber wissen müssen

Wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter eine medizinisch notwendige Reha- oder Vorsorgemaßnahme antritt, sind Arbeitgeber genauso zur verpflichtet wie bei einer regulären Arbeitsunfähigkeit. Die gute Nachricht: Über die werden diese Kosten für Betriebe, die am U1-Verfahren teilnehmen (in der Regel nicht mehr als 30 Beschäftigte), anteilig erstattet — wenn die formalen Voraussetzungen sauber dokumentiert sind.

Kapitel 01

Rechtsgrundlage: § 9 EFZG erweitert die Lohnfortzahlung

Die Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers gilt nach § 3 Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) für eine „Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit“. § 9 EFZG erweitert das: Die Regeln der Entgeltfortzahlung gelten entsprechend für eine Maßnahme der medizinischen Vorsorge oder Rehabilitation, die ein Träger der gesetzlichen Renten-, Kranken- oder Unfallversicherung, eine Verwaltungsbehörde der Kriegsopferversorgung oder ein sonstiger Sozialleistungsträger bewilligt hat und die in einer Einrichtung der medizinischen Vorsorge oder Rehabilitation durchgeführt wird.

Damit löst die Reha- bzw. Vorsorgemaßnahme genauso einen Lohnfortzahlungsanspruch von bis zu sechs Wochen (42 Kalendertagen) aus wie eine reguläre Erkrankung. Der Anspruch besteht ab dem ersten Tag der Maßnahme, wenn das Arbeitsverhältnis seit mindestens vier Wochen besteht; sonst erst nach Ablauf dieser Wartezeit (§ 3 Abs. 3 EFZG).

Kapitel 02

Welche Nachweise muss der Arbeitgeber verlangen?

Anders als bei einer regulären Krankschreibung genügt keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung des Hausarztes. Erforderlich ist eine Bescheinigung über die Bewilligung der Maßnahme durch den Träger — also die Rentenversicherung, Krankenkasse, Berufsgenossenschaft oder einen anderen Sozialleistungsträger. Antrittstermin, voraussichtliche Dauer und eine Verlängerung müssen Beschäftigte Ihnen unverzüglich mitteilen. Für Beschäftigte, die keine Bewilligung brauchen (siehe Kapitel 1), genügt eine ärztliche Bescheinigung über die Erforderlichkeit der Maßnahme (§ 9 Abs. 2 EFZG).

Praktisch bedeutet das: Sobald die Maßnahme bewilligt ist, muss die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter Sie unverzüglich informieren und die Bescheinigung über die Bewilligung vorlegen. Zwischen Bewilligung und Beginn können mehrere Wochen liegen; bei einer Anschlussrehabilitation direkt nach dem Krankenhaus kann der Vorlauf entfallen.

Bewahren Sie die Bescheinigung über die Bewilligung für die U1-Erstattung auf; die Krankenkasse kann Nachweise anfordern, um die Erstattung zu prüfen.

Kapitel 03

U1-Erstattung bei Reha: Wie viel bekommen Arbeitgeber zurück?

Die Erstattung erfolgt — genauso wie bei normaler Krankheit — über das Aufwendungsausgleichsgesetz (AAG) nach dem U1-Verfahren. Voraussetzung ist die U1-Pflicht des Betriebs (in der Regel nicht mehr als 30 Beschäftigte; Teilzeitkräfte zählen anteilig).

Erstattet wird der Bruttoarbeitslohn (die Satzung der Kasse kann das berücksichtigte Entgelt begrenzen, z. B. auf die Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung), multipliziert mit Ihrem gewählten . Je nach Krankenkasse und gewähltem Satz sind das zwischen 40 % und 80 %. Die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung sind gesetzlich einbezogen (§ 1 Abs. 1 Nr. 2 AAG); die Satzung der Kasse kann die Höhe der Erstattung begrenzen (§ 9 Abs. 2 Nr. 1 AAG).

Rechenbeispiel

Beispiel: Eine Mitarbeiterin verdient 3.500 € brutto/Monat und tritt eine bewilligte 3-wöchige Reha-Maßnahme an. Für 21 Kalendertage liegt der erstattungsfähige Lohnbetrag bei rund 2.450 € (3.500 € ÷ 30 × 21). Bei einem Erstattungssatz von 80 % erhalten Sie darauf ca. 1.960 € zurück, bei 50 % ca. 1.225 €. Hinzu kommen die Arbeitgeberanteile, soweit die Satzung sie nicht begrenzt. Der höhere Erstattungssatz kostet eine höhere Umlage; ob er sich lohnt, rechnet die kostenlose Analyse.

Den Erstattungsantrag stellen Sie über das maschinelle Erstattungsverfahren (SV-Meldeportal oder Ihre Lohnsoftware).

Arbeitgeber
Krankheitsfall
Krankenkasse
1Sie zahlen monatlich die an die Krankenkasse.2Ein Mitarbeiter ist krank – Sie zahlen das .3Auf Ihren Antrag erstattet die Kasse den gewählten Prozentsatz davon.
Bei Kassen mit Wahlrecht bestimmt der gewählte Erstattungssatz beides: wie viel Umlage Sie zahlen und wie viel die Kasse erstattet.

Kapitel 04

Sonderfälle: Verlängerung, ambulante Reha und Privatkur

Verlängerung über sechs Wochen hinaus: Wird die Reha-Maßnahme verlängert oder schließt sich an die Reha eine reguläre Arbeitsunfähigkeit derselben Ursache an, verlängert sich die Lohnfortzahlung nicht über die sechs Wochen hinaus. Ab Tag 43 erhält die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter je nach Träger Übergangsgeld, Krankengeld oder Verletztengeld — der Arbeitgeber zahlt nicht weiter.

Ambulante Reha: Eine ambulante Vorsorge- oder Reha-Maßnahme begründet nur dann einen Lohnfortzahlungsanspruch, wenn sie ebenfalls bewilligt ist und in einer anerkannten Einrichtung durchgeführt wird (zur Ausnahme ohne Bewilligung siehe Kapitel 1). Eine selbst organisierte Wellness-Kur fällt nicht darunter.

Mehrere Maßnahmen pro Jahr: Wird eine weitere Reha wegen derselben Erkrankung bewilligt, werden die Zeiten nach § 3 Abs. 1 Satz 2 EFZG zusammengerechnet. Ein neuer Anspruch auf bis zu sechs Wochen entsteht erst, wenn die Beschäftigten vor der erneuten Arbeitsunfähigkeit mindestens sechs Monate nicht wegen derselben Erkrankung arbeitsunfähig waren oder seit Beginn der ersten Arbeitsunfähigkeit wegen dieser Erkrankung zwölf Monate vergangen sind. Bei unterschiedlichen Ursachen entsteht jeweils ein neuer Anspruch.

Reha ohne Lohnfortzahlung: Fehlt die Bewilligung, besteht kein Anspruch nach § 9 EFZG – außer in den Fällen ohne Bewilligungspflicht (siehe Kapitel 1). Lehnen Sie die Lohnfortzahlung deshalb ab, begründen Sie das schriftlich. Fehlt nur die Bescheinigung über eine erteilte Bewilligung, fordern Sie sie an (§ 9 Abs. 2 EFZG).

Kapitel 05

Praxis-Tipps für Ihren Betrieb

Frühzeitige Klärung: Sobald Ihnen eine Bewilligung mitgeteilt wird, sollten Sie Vertretungsregelungen und die korrekte Lohnabrechnung vorbereiten.

Korrekte Lohnabrechnung: Halten Sie in der Entgeltabrechnung fest, dass die Fortzahlungstage auf eine Reha- oder Vorsorgemaßnahme zurückgehen — das erleichtert den späteren U1-Erstattungsantrag.

Erstattungssatz prüfen: Häufige Reha-Tage erhöhen Ihre Lohnfortzahlungskosten. Ob sich ein höherer Erstattungssatz lohnt, hängt von Löhnen, und der höheren Umlage ab – die kostenlose Analyse rechnet das für Ihren Betrieb.

Datenschutz: Der konkrete Reha-Grund (Krankheitsbild) geht den Arbeitgeber rechtlich nichts an. Sie dürfen lediglich die Bewilligung und Dauer einsehen — nicht die Diagnose.

Einen Überblick über alle Sonderfälle — Organspende, Arbeitsunfall, Minijob und Privathaushalt — bietet die Übersichtsseite U1-Sonderfälle. Für Arbeitsunfälle gelten ab der siebten Woche eigene Regeln (Verletztengeld der Berufsgenossenschaft), die der Artikel Lohnfortzahlung bei Arbeitsunfall detailliert erklärt.

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Fragen

Häufige Fragen

Bekomme ich für eine Reha-Maßnahme die gleiche U1-Erstattung wie bei normaler Krankheit?

Ja. Die Lohnfortzahlung bei einer bewilligten Reha-Maßnahme ist nach § 9 EFZG der Lohnfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit gleichgestellt. Die Erstattung erfolgt zum gleichen Erstattungssatz wie bei Krankheit.

Welche Dokumente muss ich für die Erstattung aufbewahren?

Bescheinigung über die Bewilligung durch den Sozialleistungsträger (oder die ärztliche Bescheinigung, siehe oben), die Lohnabrechnung mit Kennzeichnung der Reha-Tage sowie der Erstattungsantrag. Bewahren Sie die Unterlagen auf; die Krankenkasse kann Nachweise anfordern, um die Erstattung zu prüfen.

Was passiert, wenn die Reha länger als sechs Wochen dauert?

Ab dem 43. Kalendertag endet die Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers. Die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter erhält dann je nach Träger Übergangsgeld (z. B. Rentenversicherung), Krankengeld (Krankenkasse) oder Verletztengeld (Unfallversicherung).

Gilt die Lohnfortzahlung auch bei einer ambulanten Vorsorgemaßnahme?

Nur dann, wenn die ambulante Maßnahme von einem Sozialleistungsträger bewilligt wurde und in einer anerkannten medizinischen Einrichtung stattfindet (Ausnahme: Bei Beschäftigten, die nicht Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse oder nicht gesetzlich rentenversichert sind, genügt eine ärztliche Verordnung, § 9 Abs. 1 Satz 2 EFZG). Eine selbst gebuchte Kur ohne Bewilligung begründet keinen Anspruch.

Darf ich die Diagnose oder den Reha-Grund erfragen?

Nein. Der Arbeitgeber hat lediglich Anspruch auf die Information, dass eine bewilligte Maßnahme vorliegt, sowie auf Beginn und Dauer. Die medizinische Diagnose unterliegt dem Datenschutz und der ärztlichen Schweigepflicht.

Wirkt sich eine Reha-Maßnahme auf meinen U1-Erstattungssatz aus?

Indirekt: Häufige Reha-Tage erhöhen Ihre Lohnfortzahlungskosten. Ob dann ein höherer Erstattungssatz günstiger ist, hängt von Löhnen, Krankheitstagen und der höheren Umlage ab; eine jährliche Prüfung lohnt sich.

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