Kapitel 01
Rechtsgrundlage: § 9 EFZG erweitert die Lohnfortzahlung
Die Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers gilt nach § 3 Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) für eine „Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit“. § 9 EFZG erweitert das: Die Regeln der Entgeltfortzahlung gelten entsprechend für eine Maßnahme der medizinischen Vorsorge oder Rehabilitation, die ein Träger der gesetzlichen Renten-, Kranken- oder Unfallversicherung, eine Verwaltungsbehörde der Kriegsopferversorgung oder ein sonstiger Sozialleistungsträger bewilligt hat und die in einer Einrichtung der medizinischen Vorsorge oder Rehabilitation durchgeführt wird.
Damit löst die Reha- bzw. Vorsorgemaßnahme genauso einen Lohnfortzahlungsanspruch von bis zu sechs Wochen (42 Kalendertagen) aus wie eine reguläre Erkrankung. Der Anspruch besteht ab dem ersten Tag der Maßnahme, wenn das Arbeitsverhältnis seit mindestens vier Wochen besteht; sonst erst nach Ablauf dieser Wartezeit (§ 3 Abs. 3 EFZG).
Kapitel 02
Welche Nachweise muss der Arbeitgeber verlangen?
Anders als bei einer regulären Krankschreibung genügt keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung des Hausarztes. Erforderlich ist eine Bescheinigung über die Bewilligung der Maßnahme durch den Träger — also die Rentenversicherung, Krankenkasse, Berufsgenossenschaft oder einen anderen Sozialleistungsträger. Antrittstermin, voraussichtliche Dauer und eine Verlängerung müssen Beschäftigte Ihnen unverzüglich mitteilen. Für Beschäftigte, die keine Bewilligung brauchen (siehe Kapitel 1), genügt eine ärztliche Bescheinigung über die Erforderlichkeit der Maßnahme (§ 9 Abs. 2 EFZG).
Praktisch bedeutet das: Sobald die Maßnahme bewilligt ist, muss die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter Sie unverzüglich informieren und die Bescheinigung über die Bewilligung vorlegen. Zwischen Bewilligung und Beginn können mehrere Wochen liegen; bei einer Anschlussrehabilitation direkt nach dem Krankenhaus kann der Vorlauf entfallen.
Bewahren Sie die Bescheinigung über die Bewilligung für die U1-Erstattung auf; die Krankenkasse kann Nachweise anfordern, um die Erstattung zu prüfen.
Kapitel 03
U1-Erstattung bei Reha: Wie viel bekommen Arbeitgeber zurück?
Die Erstattung erfolgt — genauso wie bei normaler Krankheit — über das Aufwendungsausgleichsgesetz (AAG) nach dem U1-Verfahren. Voraussetzung ist die U1-Pflicht des Betriebs (in der Regel nicht mehr als 30 Beschäftigte; Teilzeitkräfte zählen anteilig).
Erstattet wird der Bruttoarbeitslohn (die Satzung der Kasse kann das berücksichtigte Entgelt begrenzen, z. B. auf die Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung), multipliziert mit Ihrem gewählten . Je nach Krankenkasse und gewähltem Satz sind das zwischen 40 % und 80 %. Die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung sind gesetzlich einbezogen (§ 1 Abs. 1 Nr. 2 AAG); die Satzung der Kasse kann die Höhe der Erstattung begrenzen (§ 9 Abs. 2 Nr. 1 AAG).
Beispiel: Eine Mitarbeiterin verdient 3.500 € brutto/Monat und tritt eine bewilligte 3-wöchige Reha-Maßnahme an. Für 21 Kalendertage liegt der erstattungsfähige Lohnbetrag bei rund 2.450 € (3.500 € ÷ 30 × 21). Bei einem Erstattungssatz von 80 % erhalten Sie darauf ca. 1.960 € zurück, bei 50 % ca. 1.225 €. Hinzu kommen die Arbeitgeberanteile, soweit die Satzung sie nicht begrenzt. Der höhere Erstattungssatz kostet eine höhere Umlage; ob er sich lohnt, rechnet die kostenlose Analyse.
Den Erstattungsantrag stellen Sie über das maschinelle Erstattungsverfahren (SV-Meldeportal oder Ihre Lohnsoftware).
Kapitel 04
Sonderfälle: Verlängerung, ambulante Reha und Privatkur
Verlängerung über sechs Wochen hinaus: Wird die Reha-Maßnahme verlängert oder schließt sich an die Reha eine reguläre Arbeitsunfähigkeit derselben Ursache an, verlängert sich die Lohnfortzahlung nicht über die sechs Wochen hinaus. Ab Tag 43 erhält die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter je nach Träger Übergangsgeld, Krankengeld oder Verletztengeld — der Arbeitgeber zahlt nicht weiter.
Ambulante Reha: Eine ambulante Vorsorge- oder Reha-Maßnahme begründet nur dann einen Lohnfortzahlungsanspruch, wenn sie ebenfalls bewilligt ist und in einer anerkannten Einrichtung durchgeführt wird (zur Ausnahme ohne Bewilligung siehe Kapitel 1). Eine selbst organisierte Wellness-Kur fällt nicht darunter.
Mehrere Maßnahmen pro Jahr: Wird eine weitere Reha wegen derselben Erkrankung bewilligt, werden die Zeiten nach § 3 Abs. 1 Satz 2 EFZG zusammengerechnet. Ein neuer Anspruch auf bis zu sechs Wochen entsteht erst, wenn die Beschäftigten vor der erneuten Arbeitsunfähigkeit mindestens sechs Monate nicht wegen derselben Erkrankung arbeitsunfähig waren oder seit Beginn der ersten Arbeitsunfähigkeit wegen dieser Erkrankung zwölf Monate vergangen sind. Bei unterschiedlichen Ursachen entsteht jeweils ein neuer Anspruch.
Reha ohne Lohnfortzahlung: Fehlt die Bewilligung, besteht kein Anspruch nach § 9 EFZG – außer in den Fällen ohne Bewilligungspflicht (siehe Kapitel 1). Lehnen Sie die Lohnfortzahlung deshalb ab, begründen Sie das schriftlich. Fehlt nur die Bescheinigung über eine erteilte Bewilligung, fordern Sie sie an (§ 9 Abs. 2 EFZG).
Kapitel 05
Praxis-Tipps für Ihren Betrieb
Frühzeitige Klärung: Sobald Ihnen eine Bewilligung mitgeteilt wird, sollten Sie Vertretungsregelungen und die korrekte Lohnabrechnung vorbereiten.
Korrekte Lohnabrechnung: Halten Sie in der Entgeltabrechnung fest, dass die Fortzahlungstage auf eine Reha- oder Vorsorgemaßnahme zurückgehen — das erleichtert den späteren U1-Erstattungsantrag.
Erstattungssatz prüfen: Häufige Reha-Tage erhöhen Ihre Lohnfortzahlungskosten. Ob sich ein höherer Erstattungssatz lohnt, hängt von Löhnen, und der höheren Umlage ab – die kostenlose Analyse rechnet das für Ihren Betrieb.
Datenschutz: Der konkrete Reha-Grund (Krankheitsbild) geht den Arbeitgeber rechtlich nichts an. Sie dürfen lediglich die Bewilligung und Dauer einsehen — nicht die Diagnose.
Einen Überblick über alle Sonderfälle — Organspende, Arbeitsunfall, Minijob und Privathaushalt — bietet die Übersichtsseite U1-Sonderfälle. Für Arbeitsunfälle gelten ab der siebten Woche eigene Regeln (Verletztengeld der Berufsgenossenschaft), die der Artikel Lohnfortzahlung bei Arbeitsunfall detailliert erklärt.
Mini-Rechner
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Wählbar sind alle Krankenkassen, die laut ihren aktuellen Angaben mehrere Erstattungssätze anbieten. Ihren heutigen Satz finden Sie in der Beitragsabrechnung.
Krankheitsprofil
entspricht ca. 15 Krankheitstagen/Jahr
Erstattungssatz einordnen
Ein höherer Erstattungssatz bringt mehr Lohnfortzahlung zurück, kostet aber etwas mehr Beitrag. Die Umlageoptimierung stimmt beides auf Ihre Krankheitstage ab – damit weder zu viel eingezahlt noch zu wenig erstattet wird.
Mit diesen Durchschnittswerten ist Ihr heutiger Satz bereits der günstigste. Bei anderem Krankenstand oder anderen Gehältern kann ein anderer Satz günstiger sein – die Analyse rechnet mit den Daten Ihrer Beschäftigten.
Schätzung mit den Sätzen der Techniker Krankenkasse laut aktuellen Angaben der Krankenkasse, Stand 19.10.2026 (U1-Sätze unverändert seit 01.01.2026), sowie Durchschnittswerten für Gehalt und Krankheitstage. Beitragsbemessungsgrenze 2026: 101.400 € im Jahr. Verbindlich rechnet die kostenlose Analyse mit den Daten Ihrer Beschäftigten.
Ersparnis kostenlos prüfenSchätzung — kein Ersatz für die vollständige Analyse. Das exakte Potenzial berechnen wir auf Basis Ihrer Daten.
