Ratgeber: Sonderfälle · 6 Min. Lesezeit

Lohnfortzahlung im Minijob: Anspruch, Erstattung und Sonderregeln über die Minijob-Zentrale

„Minijobber haben keine “ — diese Annahme ist falsch. Tatsächlich gilt das Entgeltfortzahlungsgesetz für geringfügig Beschäftigte genauso wie für Vollzeitkräfte. Nimmt Ihr Betrieb am U1-Verfahren teil (in der Regel nicht mehr als 30 Beschäftigte; Teilzeitkräfte zählen anteilig), zahlen Sie die für Minijobber ohnehin an die Minijob-Zentrale – dann sollten Sie auch die Erstattung konsequent abrufen. Dieser Leitfaden zeigt, wie das Verfahren in der Praxis funktioniert.

Kapitel 01

Lohnfortzahlungsanspruch: Voll auch im Minijob

Das Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) macht keinen Unterschied zwischen Vollzeit-, Teilzeit- und geringfügiger Beschäftigung. Auch ein Minijobber hat nach § 3 EFZG Anspruch auf bis zu sechs Wochen volle Lohnfortzahlung — vorausgesetzt, das Arbeitsverhältnis besteht seit mindestens vier Wochen (Wartezeit nach § 3 Abs. 3 EFZG). Voraussetzung ist zudem eine unverschuldete Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit; dauert sie länger als drei Kalendertage, ist eine ärztliche Bescheinigung nötig (§ 5 EFZG).

Der Lohn wird in der Höhe weitergezahlt, in der der Mitarbeitende ohne Krankheit verdient hätte. Bei festem Monatslohn ist das einfach der Monatsbetrag (z. B. 603 € als Minijob-Höchstgrenze 2026, anteilig bei kürzerer Arbeitsunfähigkeit). Bei flexibler Stundenzahl gilt das Lohnausfallprinzip: Maßgeblich ist die Arbeitszeit, die ohne Krankheit angefallen wäre.

Auch bei Schul- oder Studierenden-Minijobs, Saison-Aushilfen und Rentner-Minijobs gilt der Anspruch, sofern die Wartezeit erfüllt ist; dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, ist sie ärztlich nachzuweisen (§ 5 EFZG). Bei kurzfristigen Beschäftigungen mit befristetem Arbeitsverhältnis kann der Anspruch auf die vereinbarte Beschäftigungsdauer begrenzt sein.

Kapitel 02

U1-Erstattung über die Minijob-Zentrale (Knappschaft-Bahn-See)

Anders als bei sozialversicherungspflichtigen Mitarbeitenden läuft die U1-Umlage für Minijobber nicht über die Krankenkasse des Beschäftigten, sondern zentral über die Minijob-Zentrale, einen Geschäftsbereich der Knappschaft-Bahn-See (KBS). Sie ist sowohl Inkassostelle für die Pauschalbeiträge als auch zuständige Stelle für die U1-Erstattung. Auch hier gilt die U1 nur für Arbeitgeber, die am Ausgleichsverfahren teilnehmen (in der Regel nicht mehr als 30 Beschäftigte; Teilzeitkräfte zählen anteilig).

: Für gewerbliche Minijobs gilt ein bundeseinheitlicher U1-Satz der Minijob-Zentrale. Erstattet werden 80 % des Brutto-Arbeitsentgelts — eine Wahl des wie bei den allgemeinen Krankenkassen gibt es bei der Minijob-Zentrale nicht.

Wichtige Konsequenz für Arbeitgeber: Da Sie den Erstattungssatz für Minijobber nicht wählen können, hängt die wirtschaftliche Wirkung allein davon ab, dass Sie jeden Erstattungsfall sauber beantragen.

Antragsweg: Über das maschinelle Erstattungsverfahren der Minijob-Zentrale (SV-Meldeportal oder Lohnabrechnungs-Software). Der Antrag enthält das fortgezahlte Brutto-Entgelt und die .

Kapitel 03

Berechnung der Lohnfortzahlung bei flexiblen Stunden

Bei einem festen Monatslohn ist die Berechnung einfach: Das vereinbarte Monatsentgelt wird für die Dauer der Arbeitsunfähigkeit (bis zu sechs Wochen) weitergezahlt.

Schwieriger ist die Lage bei stark schwankenden Stunden — etwa bei Aushilfen im Einzelhandel, Gastronomie oder im Handwerk. Hier gilt das Lohnausfallprinzip (§ 4 EFZG): Maßgeblich sind die Stunden, die die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter ohne Krankheit gearbeitet hätte. Bei schwankenden Stunden ist nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts in der Regel der Durchschnitt der letzten zwölf Monate maßgeblich (BAG, Urteil vom 26.06.2002, 5 AZR 592/00); besteht das Arbeitsverhältnis kürzer, dessen gesamte Dauer.

Praxis-Tipp: Halten Sie für Minijobber mit unregelmäßigen Stunden eine Schichtplanung mit Soll-Stunden vor. So lässt sich die Lohnfortzahlung sauber begründen und gegenüber der Minijob-Zentrale belegen.

Beispiel: Eine Aushilfe in der Gastronomie hat in den vergangenen zwölf Monaten durchschnittlich 10 Stunden/Woche gearbeitet; ihr Stundenlohn beträgt 13,90 € (Mindestlohn 2026), also 139 €/Woche. Bei einer Krankheit von zehn Arbeitstagen (= zwei Wochen) ergibt sich eine Lohnfortzahlung von 278 €. Die U1-Erstattung beträgt 80 %, also 222,40 €.

Kapitel 04

Sonderfälle: Mehrere Minijobs, Hauptberuf-Minijob, kurzfristige Beschäftigung

Mehrere Minijobs gleichzeitig: Jeder Arbeitgeber, der am U1-Verfahren teilnimmt, zahlt seine eigene U1-Umlage und beantragt seine eigene Erstattung. Die Lohnfortzahlung berechnet sich für jedes Beschäftigungsverhältnis getrennt — auch wenn der Mitarbeitende parallel bei drei Arbeitgebern krank ist, hat jeder Arbeitgeber die Entgeltfortzahlungspflicht und jeder teilnehmende Arbeitgeber einen eigenen Erstattungsanspruch. Beim Thema Privathaushalt als Arbeitgeber gibt es ähnliche Konstellationen — mehr dazu im Artikel U1 und Lohnfortzahlung im Privathaushalt.

Minijob neben Hauptberuf: Auch wenn der Minijob nur ein Nebenjob ist, gelten die Regeln voll. Die Lohnfortzahlung im Hauptberuf läuft parallel und unabhängig — über die Krankenkasse des Beschäftigten, sofern der Hauptarbeitgeber am U1-Verfahren teilnimmt. Der Minijob-Arbeitgeber rechnet seinen Teil über die Minijob-Zentrale ab, sofern er am U1-Verfahren teilnimmt.

Kurzfristige Beschäftigung: Auch für kurzfristige Minijobs fällt die U1 an, sofern Ihr Betrieb am U1-Verfahren teilnimmt – es sei denn, die Beschäftigung ist auf höchstens vier Wochen angelegt. Bei einer Beschäftigung bis zu vier Wochen entsteht in der Regel auch kein Anspruch auf Entgeltfortzahlung (§ 3 Abs. 3 EFZG).

Familienangehörige als Minijobber: Auch hier gelten die normalen Regeln, sofern ein echtes Beschäftigungsverhältnis vorliegt (etwa Arbeitsvertrag und tatsächliche Lohnzahlung).

Kapitel 05

Häufige Fehler in der Praxis

Fehler 1 — Antrag wird gar nicht gestellt: Nimmt Ihr Betrieb am U1-Verfahren teil, steht Ihnen für die Entgeltfortzahlung an Minijobber eine Erstattung über die Minijob-Zentrale zu – ohne Antrag fließt nichts zurück.

Fehler 2 — Falsche Berechnungsgrundlage: Wer einen beliebigen Zeitraum zugrunde legt statt der Arbeitszeit, die ohne Krankheit angefallen wäre (Lohnausfallprinzip), riskiert eine Kürzung des Erstattungsbetrags.

Fehler 3 — Antrag an die falsche Stelle: U1-Erstattungsanträge für Minijobber an die normale Krankenkasse des Mitarbeitenden zu schicken, führt zu Ablehnung und doppeltem Verwaltungsaufwand. Zuständig ist immer die Minijob-Zentrale.

Fehler 4 — Versäumte Frist: Der Erstattungsanspruch verjährt nach § 6 Abs. 1 Aufwendungsausgleichsgesetz (AAG) in vier Jahren nach Ablauf des es, in dem er entstanden ist. In der Praxis sollten Sie monatlich abrechnen, um Liquiditätsverluste zu vermeiden.

Weitere Sonderfälle wie Reha-Maßnahmen, Organspenden oder Arbeitsunfälle sind auf der Übersichtsseite U1-Sonderfälle zusammengefasst.

Fragen

Häufige Fragen

Haben Minijobber wirklich Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall?

Ja, vollumfänglich. Das Entgeltfortzahlungsgesetz (§ 3 EFZG) gilt unabhängig vom Beschäftigungsumfang. Voraussetzungen sind eine Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit ohne eigenes Verschulden und ein seit vier Wochen bestehendes Arbeitsverhältnis; dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, ist sie ärztlich nachzuweisen (§ 5 EFZG).

Über wen läuft die U1-Erstattung bei Minijob-Beschäftigung?

Über die Minijob-Zentrale (ein Geschäftsbereich der Knappschaft-Bahn-See, KBS). Anträge werden nicht an die Krankenkasse des Mitarbeitenden gestellt, sondern zentral über das maschinelle Erstattungsverfahren bei der Minijob-Zentrale.

Wie hoch ist der Erstattungssatz bei Minijobs?

Bei gewerblichen Minijobs werden 80 % des Brutto-Arbeitsentgelts erstattet. Eine Wahl des Erstattungssatzes wie bei den Krankenkassen ist nicht möglich — der Satz ist bundeseinheitlich vorgegeben.

Wie berechne ich die Lohnfortzahlung bei schwankenden Stunden?

Maßgeblich sind die Stunden, die der Mitarbeitende ohne Krankheit gearbeitet hätte (Lohnausfallprinzip, § 4 EFZG), multipliziert mit dem Stundenlohn. Bei schwankenden Stunden ist nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts in der Regel der Durchschnitt der letzten zwölf Monate maßgeblich (BAG, Urteil vom 26.06.2002, 5 AZR 592/00); besteht das Arbeitsverhältnis kürzer, dessen gesamte Dauer. Eine ordentliche Schichtplanung erleichtert die Berechnung erheblich.

Gilt die U1-Pflicht auch für kurzfristige Beschäftigungen?

Ja, sofern Ihr Betrieb am U1-Verfahren teilnimmt (in der Regel nicht mehr als 30 Beschäftigte; Teilzeitkräfte zählen anteilig). Ausnahme: Die Beschäftigung ist auf höchstens vier Wochen angelegt.

Was passiert, wenn ein Minijobber gleichzeitig in seinem Hauptberuf krank ist?

Beide Arbeitgeber zahlen unabhängig voneinander Lohnfortzahlung und können jeweils ihre eigene U1-Erstattung beantragen — der Hauptarbeitgeber bei der Krankenkasse des Beschäftigten (sofern er am U1-Verfahren teilnimmt), der Minijob-Arbeitgeber bei der Minijob-Zentrale, ebenfalls nur bei Teilnahme.

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