Kapitel 01
Lohnfortzahlungsanspruch: Voll auch im Minijob
Das Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) macht keinen Unterschied zwischen Vollzeit-, Teilzeit- und geringfügiger Beschäftigung. Auch ein Minijobber hat nach § 3 EFZG Anspruch auf bis zu sechs Wochen volle Lohnfortzahlung — vorausgesetzt, das Arbeitsverhältnis besteht seit mindestens vier Wochen (Wartezeit nach § 3 Abs. 3 EFZG). Voraussetzung ist zudem eine unverschuldete Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit; dauert sie länger als drei Kalendertage, ist eine ärztliche Bescheinigung nötig (§ 5 EFZG).
Der Lohn wird in der Höhe weitergezahlt, in der der Mitarbeitende ohne Krankheit verdient hätte. Bei festem Monatslohn ist das einfach der Monatsbetrag (z. B. 603 € als Minijob-Höchstgrenze 2026, anteilig bei kürzerer Arbeitsunfähigkeit). Bei flexibler Stundenzahl gilt das Lohnausfallprinzip: Maßgeblich ist die Arbeitszeit, die ohne Krankheit angefallen wäre.
Auch bei Schul- oder Studierenden-Minijobs, Saison-Aushilfen und Rentner-Minijobs gilt der Anspruch, sofern die Wartezeit erfüllt ist; dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, ist sie ärztlich nachzuweisen (§ 5 EFZG). Bei kurzfristigen Beschäftigungen mit befristetem Arbeitsverhältnis kann der Anspruch auf die vereinbarte Beschäftigungsdauer begrenzt sein.
Kapitel 02
U1-Erstattung über die Minijob-Zentrale (Knappschaft-Bahn-See)
Anders als bei sozialversicherungspflichtigen Mitarbeitenden läuft die U1-Umlage für Minijobber nicht über die Krankenkasse des Beschäftigten, sondern zentral über die Minijob-Zentrale, einen Geschäftsbereich der Knappschaft-Bahn-See (KBS). Sie ist sowohl Inkassostelle für die Pauschalbeiträge als auch zuständige Stelle für die U1-Erstattung. Auch hier gilt die U1 nur für Arbeitgeber, die am Ausgleichsverfahren teilnehmen (in der Regel nicht mehr als 30 Beschäftigte; Teilzeitkräfte zählen anteilig).
: Für gewerbliche Minijobs gilt ein bundeseinheitlicher U1-Satz der Minijob-Zentrale. Erstattet werden 80 % des Brutto-Arbeitsentgelts — eine Wahl des wie bei den allgemeinen Krankenkassen gibt es bei der Minijob-Zentrale nicht.
Wichtige Konsequenz für Arbeitgeber: Da Sie den Erstattungssatz für Minijobber nicht wählen können, hängt die wirtschaftliche Wirkung allein davon ab, dass Sie jeden Erstattungsfall sauber beantragen.
Antragsweg: Über das maschinelle Erstattungsverfahren der Minijob-Zentrale (SV-Meldeportal oder Lohnabrechnungs-Software). Der Antrag enthält das fortgezahlte Brutto-Entgelt und die .
Kapitel 03
Berechnung der Lohnfortzahlung bei flexiblen Stunden
Bei einem festen Monatslohn ist die Berechnung einfach: Das vereinbarte Monatsentgelt wird für die Dauer der Arbeitsunfähigkeit (bis zu sechs Wochen) weitergezahlt.
Schwieriger ist die Lage bei stark schwankenden Stunden — etwa bei Aushilfen im Einzelhandel, Gastronomie oder im Handwerk. Hier gilt das Lohnausfallprinzip (§ 4 EFZG): Maßgeblich sind die Stunden, die die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter ohne Krankheit gearbeitet hätte. Bei schwankenden Stunden ist nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts in der Regel der Durchschnitt der letzten zwölf Monate maßgeblich (BAG, Urteil vom 26.06.2002, 5 AZR 592/00); besteht das Arbeitsverhältnis kürzer, dessen gesamte Dauer.
Praxis-Tipp: Halten Sie für Minijobber mit unregelmäßigen Stunden eine Schichtplanung mit Soll-Stunden vor. So lässt sich die Lohnfortzahlung sauber begründen und gegenüber der Minijob-Zentrale belegen.
Beispiel: Eine Aushilfe in der Gastronomie hat in den vergangenen zwölf Monaten durchschnittlich 10 Stunden/Woche gearbeitet; ihr Stundenlohn beträgt 13,90 € (Mindestlohn 2026), also 139 €/Woche. Bei einer Krankheit von zehn Arbeitstagen (= zwei Wochen) ergibt sich eine Lohnfortzahlung von 278 €. Die U1-Erstattung beträgt 80 %, also 222,40 €.
Kapitel 04
Sonderfälle: Mehrere Minijobs, Hauptberuf-Minijob, kurzfristige Beschäftigung
Mehrere Minijobs gleichzeitig: Jeder Arbeitgeber, der am U1-Verfahren teilnimmt, zahlt seine eigene U1-Umlage und beantragt seine eigene Erstattung. Die Lohnfortzahlung berechnet sich für jedes Beschäftigungsverhältnis getrennt — auch wenn der Mitarbeitende parallel bei drei Arbeitgebern krank ist, hat jeder Arbeitgeber die Entgeltfortzahlungspflicht und jeder teilnehmende Arbeitgeber einen eigenen Erstattungsanspruch. Beim Thema Privathaushalt als Arbeitgeber gibt es ähnliche Konstellationen — mehr dazu im Artikel U1 und Lohnfortzahlung im Privathaushalt.
Minijob neben Hauptberuf: Auch wenn der Minijob nur ein Nebenjob ist, gelten die Regeln voll. Die Lohnfortzahlung im Hauptberuf läuft parallel und unabhängig — über die Krankenkasse des Beschäftigten, sofern der Hauptarbeitgeber am U1-Verfahren teilnimmt. Der Minijob-Arbeitgeber rechnet seinen Teil über die Minijob-Zentrale ab, sofern er am U1-Verfahren teilnimmt.
Kurzfristige Beschäftigung: Auch für kurzfristige Minijobs fällt die U1 an, sofern Ihr Betrieb am U1-Verfahren teilnimmt – es sei denn, die Beschäftigung ist auf höchstens vier Wochen angelegt. Bei einer Beschäftigung bis zu vier Wochen entsteht in der Regel auch kein Anspruch auf Entgeltfortzahlung (§ 3 Abs. 3 EFZG).
Familienangehörige als Minijobber: Auch hier gelten die normalen Regeln, sofern ein echtes Beschäftigungsverhältnis vorliegt (etwa Arbeitsvertrag und tatsächliche Lohnzahlung).
Kapitel 05
Häufige Fehler in der Praxis
Fehler 1 — Antrag wird gar nicht gestellt: Nimmt Ihr Betrieb am U1-Verfahren teil, steht Ihnen für die Entgeltfortzahlung an Minijobber eine Erstattung über die Minijob-Zentrale zu – ohne Antrag fließt nichts zurück.
Fehler 2 — Falsche Berechnungsgrundlage: Wer einen beliebigen Zeitraum zugrunde legt statt der Arbeitszeit, die ohne Krankheit angefallen wäre (Lohnausfallprinzip), riskiert eine Kürzung des Erstattungsbetrags.
Fehler 3 — Antrag an die falsche Stelle: U1-Erstattungsanträge für Minijobber an die normale Krankenkasse des Mitarbeitenden zu schicken, führt zu Ablehnung und doppeltem Verwaltungsaufwand. Zuständig ist immer die Minijob-Zentrale.
Fehler 4 — Versäumte Frist: Der Erstattungsanspruch verjährt nach § 6 Abs. 1 Aufwendungsausgleichsgesetz (AAG) in vier Jahren nach Ablauf des es, in dem er entstanden ist. In der Praxis sollten Sie monatlich abrechnen, um Liquiditätsverluste zu vermeiden.
Weitere Sonderfälle wie Reha-Maßnahmen, Organspenden oder Arbeitsunfälle sind auf der Übersichtsseite U1-Sonderfälle zusammengefasst.
