Kapitel 01
Privathaushalt = Arbeitgeber: Pflichten im Überblick
Sobald ein Privathaushalt eine Person regelmäßig gegen Lohn beschäftigt — sei es zur Reinigung, Kinderbetreuung, Pflege, Gartenarbeit oder im Botengang — entsteht ein Arbeitsverhältnis im Sinne des § 611a BGB. Damit gelten alle Schutzvorschriften: Mindestlohn, Arbeitszeitschutz, Urlaubsanspruch und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.
Verdient die Haushaltshilfe nicht mehr als die Minijob-Grenze, ist sie als Minijob im Privathaushalt beschäftigt — eine eigene gesetzliche Kategorie mit reduzierten Pauschalabgaben. Anders als bei gewerblichen Minijobs läuft die Anmeldung dann nicht über das reguläre Meldeverfahren (Lohnsoftware oder SV-Meldeportal), sondern über das Haushaltsscheckverfahren der Minijob-Zentrale. Ist die Hilfe sozialversicherungspflichtig beschäftigt, gilt das normale Meldeverfahren; und Erstattung laufen dann über die Krankenkasse der Hilfe.
Vorteile des Haushaltsscheckverfahrens: Die Anmeldung erfolgt mit einem einseitigen Formular online oder per Post. Die Minijob-Zentrale berechnet selbst alle Abgaben (Pauschalbeiträge zur Kranken- und Rentenversicherung, Unfallversicherung, Umlagen U1 und U2, ggf. Pauschalsteuer), zieht sie zweimal jährlich vom Konto ein und stellt eine Bescheinigung für die Steuererklärung aus.
Steuerlicher Vorteil für den Haushalt: 20 % der Aufwendungen (max. 510 € pro Jahr bei Minijobs, max. 4.000 € bei sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen) sind nach § 35a EStG direkt von der Einkommensteuerschuld abziehbar.
Alle U1-Sonderfälle für Arbeitgeber — Reha, Organspende, Arbeitsunfall, Minijob und Privathaushalt — sind auf der Übersichtsseite U1-Sonderfälle zusammengefasst.
Kapitel 02
U1-Pflicht und automatische Anmeldung über das Haushaltsscheckverfahren
Auch Privathaushalte sind U1-pflichtig. Da ein Haushalt kaum mehr als 30 Beschäftigte hat, fallen praktisch alle privaten Arbeitgeber unter die U1-Umlage. Die Pflicht besteht ab der ersten Person, die im Haushalt regelmäßig beschäftigt ist.
Im Haushaltsscheckverfahren wird die U1-Umlage automatisch mitberechnet und zusammen mit den Pauschal-Abgaben halbjährlich (zum 31. Juli und 31. Januar) per SEPA-Lastschrift eingezogen. Sie müssen also nicht selbst monatlich Beiträge anmelden — das übernimmt die Minijob-Zentrale.
: Für Haushaltshilfen-Minijobs erhebt die Minijob-Zentrale einen bundeseinheitlichen U1-Satz auf das Arbeitsentgelt der Haushaltshilfe; die Abgaben berechnet sie im Haushaltsscheckverfahren selbst.
Erstattung: Bei einer Minijob-Hilfe werden im Krankheitsfall 80 % des fortgezahlten Bruttolohns über die Minijob-Zentrale erstattet — gleicher Satz wie bei gewerblichen Minijobs. Eine Wahl des gibt es nicht.
Kapitel 03
Was tun, wenn die Haushaltshilfe krank ist?
1. Krankmeldung entgegennehmen: Die Haushaltshilfe muss Sie unverzüglich über die Arbeitsunfähigkeit und voraussichtliche Dauer informieren. Ab dem vierten Krankheitstag ist eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorzulegen — Sie dürfen die Bescheinigung auch früher verlangen, ohne dass es dafür einer Vereinbarung bedarf.
2. Lohn weiterzahlen: Sie zahlen den vereinbarten Lohn (Stunden- oder Monatslohn) weiter, als wäre die Haushaltshilfe gesund. Bei pauschal vereinbarten Monatslöhnen ist das einfach — bei Stundenabrechnung müssen Sie den Lohn anhand des Schichtplans berechnen.
3. Entgelt wie gewohnt melden: Das fortgezahlte Entgelt melden Sie im Haushaltsscheckverfahren wie sonst auch; die Erstattung beantragen Sie gesondert (Schritt 4).
4. Erstattung beantragen: Bei einer Minijob-Hilfe stellen Sie den Antrag bei der Arbeitgeberversicherung der Knappschaft-Bahn-See (zu der die Minijob-Zentrale gehört) – online über das Kontaktformular, schriftlich oder telefonisch. Anzugeben sind Name und Sozialversicherungsnummer der Haushaltshilfe, die und der fortgezahlte Bruttolohn.
5. Aufbewahrung: Heben Sie die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und Ihre Aufzeichnungen auf — die Minijob-Zentrale kann Erstattungen prüfen.
Kapitel 04
Abgrenzung: Anstellung, Selbstständigkeit, Schwarzarbeit
Anstellung im Haushaltsscheckverfahren: Empfehlung für regelmäßige Hilfen mit bis zu 603 € Monatslohn (Stand 2026). Vorteile: alle Sozialversicherungsabgaben automatisiert, U1/U2-Erstattung möglich, gesetzliche Unfallversicherung für die Hilfe, steuerliche Absetzbarkeit für den Haushalt.
Selbstständige Reinigungsdienstleister: Wenn Sie eine Putzkraft beauftragen, die ein eigenes Gewerbe betreibt, mehrere Auftraggeber hat und eigene Arbeitsmittel nutzt, liegt keine Beschäftigung vor. Sie zahlen dann eine Rechnung — keine U1-Pflicht, aber auch keine Erstattung. Vorsicht bei Scheinselbstständigkeit: Wenn Ihre Putzkraft nur für Sie arbeitet und Sie Arbeitsmittel und Zeiten vorgeben, kann eine Anstellung vorliegen.
Schwarzarbeit (Bargeld-Zahlung ohne Anmeldung): Verboten und mit erheblichen Bußgeldern (bis zu 5.000 €) sowie Steuernachforderungen verbunden. Bei einem Unfall kann die Unfallversicherung die Behandlungskosten vom Haushalt zurückfordern.
Empfehlung: Auch bei geringem Monatslohn lohnt sich die korrekte Anmeldung im Haushaltsscheckverfahren: Die Steuerermäßigung nach § 35a EStG (20 % der Aufwendungen, höchstens 510 € im Jahr beim Minijob) gibt es nur für angemeldete Beschäftigungen.
Kapitel 05
Praxis: Häufige Konstellationen im Privathaushalt
Vertretung im Krankheitsfall: Sie sind nicht verpflichtet, eine Vertretung zu organisieren — können aber kurzfristig eine andere Hilfe beauftragen (separate Anmeldung erforderlich) oder ohne Hilfe auskommen.
Lohnfortzahlung bei längerer Krankheit (über sechs Wochen): Nach Ablauf der sechs Wochen endet Ihre Lohnfortzahlungspflicht. Ein Anspruch auf Krankengeld aus dem Minijob besteht in der Regel nicht, weil Minijobs nicht krankenversicherungspflichtig sind; der Privathaushalt zahlt nichts mehr.
Schwangere Haushaltshilfe: Es greifen die Schutzfristen des Mutterschutzgesetzes: sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Entbindung; nach Früh- und Mehrlingsgeburten und bei festgestellter Behinderung des Kindes zwölf Wochen nach der Entbindung (§ 3 MuSchG). In dieser Zeit erhält sie Mutterschaftsgeld. Liegt ihr durchschnittliches kalendertägliches Nettoentgelt über 13 €, zahlen Sie den Unterschiedsbetrag als Zuschuss zum Mutterschaftsgeld (§ 20 Abs. 1 MuSchG); die U2 erstattet ihn in voller Höhe.
Mehrere Haushaltshilfen: Jede zusätzliche Hilfe muss separat per Haushaltsscheck angemeldet werden. Die U1-Umlage wird für jede Beschäftigung separat berechnet, ebenso die Erstattungen im Krankheitsfall.
Pflegebedürftige Angehörige: Wenn die Haushaltshilfe primär zur Pflege eingesetzt ist, prüfen Sie zusätzlich, ob Leistungen der Pflegeversicherung in Betracht kommen (z. B. Verhinderungspflege). Die Lohnfortzahlungspflicht im Krankheitsfall der Pflegekraft bleibt davon unberührt.
Wenn Sie neben der Haushaltshilfe auch gewerbliche Minijobs beschäftigen, lohnt sich ein Blick auf die Unterschiede — ausführlich erklärt im Artikel Lohnfortzahlung im Minijob.
